Montag, 2. Juli 2012

Wenn Blogger einen PR-Assistenten bräuchten..

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob und wie ich über das folgende Thema schreiben sollte.
Ich lese u.a. Blogs, die sich mit Körperpflege, Make up, etc. befassen. Das mag für den ein o. anderen obskur klingen, aber ich erhoffte mir unabhängige Meinungen zu Produkten, die von anderen Nutzerinnen benutzt und beschrieben werden. Erspart ggf. Fehlkäufe, fand ich.
Natürlich habe ich mir mittlerweile auch meine Meinung zu manchen Blogs bzw. zu dem Geschäft an sich gebildet, die ich gern unverblümt breittreten möchte.. :)

Grundlegend bin ich der Meinung, dass die Zeit der Unschuld vorbei. Dass einige (d.h. nicht alle) der ehemals freien und unabhängigen Schreiberinnen, die aus Spaß an der Freud' ihre Texte schrieben, längst teil der Verkaufsmaschinerie geworden sind.
Auch wenn man es nicht glauben mag, aber viele Unternehmen haben den Vorteil beim "Mädchen/Bloggerin von nebenan" längst erkannt; ist es doch authentischer, wenn eine normale Frau das Produkt XY promotet. Es ist fast schon eine Freundin, die dort schreibt - so oder so ähnlich empfinden es manche Leserinnen, so mein Eindruck.
Man glaubt ihr. Und man glaubt ihr noch viel mehr, wenn sie auch mal ein wenig kritisiert. So ein bisschen zumindest.
Aber zu viel Kritik ist auch nicht gut, da man dann ggf. nicht mehr in den Genuss von kostenlos zugesandten Artikeln kommt.

"Kostenlos zur Verfügung gestellt" ist der Satz, den es auszuschreiben gilt. Erst dann hat man es geschafft.
Was für ein Unternehmen ein Kleckerbetrag ist, ist für manche Bloggerin Weihnachten und Geburtstag auf einmal.
Denn Blogger sind verhältnismäßig günstig - zugesandte Produkte kosten so gut wie nichts, dafür ist das Ergebnis umso erfreulicher für die Unternehmen, d.h. Präsenz und potentielle Käufer.
Einzig sogenannte "Blogger-Events" kosten mehr - Stelldichein diverser Blogger mit Produktshow, Infos, Kost, Logis und goodie bag am Ende der Veranstaltung. Alles gratis, natürlich.
Allein die anschließende Berichterstattung über das vorgestellte Produkt und das Event an sich wird gern zur Kenntnis genommen.
Warum keine unbekannten Blogger, d.h. Blogs mit wenigen Lesern zu solchen Events eingeladen werden?
Die Frage kommt auch immer mal wieder auf und wenn man überlegt, dass ein Unternehmen solche Shows nicht aus purer Langeweile finanziert und abhält, kommt man auf die Lösung.


Diese kostenlosen Produkte können und werden nicht objektiv bewertet [werden], so meine Meinung.
Man ist wohlwollend und unkritischer als bei Artikeln, für die man selbst gezahlt hat. Und noch wohlwollender ist frau, wenn das Produkt einen großen Markennamen trägt. Da kann es rasch passieren, dass negative Merkmale des Produkts als "ganz okay" angesehen werden, die bei einem günstigen, selbstgekauften Produkt fast schon ein K.o.-Kriterium wären.
Es ist ein psychologischer Prozess, der da abläuft.

Sicherlich hat besagte Psychologie dafür auch einen Namen, den ich, wie sollte es anders sein, gerade nicht auf dem Schirm habe.
Zudem kommt der unterschwellige Gedanke, dass man, wie bereits angesprochen, bei zu viel schlechten Worten auf wohlgesinnte Zusendungen verzichten muss.
Es soll sogar Fälle von Bloggern geben, die einen Bewertungs-Text zugesandt bekamen, den sie bei ihrer Produktbewertung anbringen sollten. Manche sollen darauf eingegangen sein, andere nicht.

Im Grunde sind Blogger günstige Multiplikatoren. Klingt hart, aber wer sich vor den PR-Karren spannen und mit einer 50€-Creme abspeisen lässt, der könnte evtl. mehr rausholen, denn schließlich verdient das Unternehmen weitaus mehr Geld als die besagten 50€ mit den diversen Rezensionen.
Wenn man das Spiel schon mitspielt, verkauft man sich damit unter Wert.
Es ist ein gigantischer Markt und "word of mouth"-Marketing funktioniert einfach viel zu gut.
Jede Rezension, egal ob positiv oder negativ, ist Werbung und sie bleibt im Internet bestehen, denn das www. vergisst nie.
Sogar jede Nennung eines Produktnamens ist im Grunde genommen Werbung.

Aber, und hier kommt das große "aber", niemand weiß natürlich, was hinter den Kulissen gemacht wird, ob Geld fließt und wie viel, da ich der ein oder anderen Bloggerin doch Geschäftssinn zutraue.
Selbstredend kann man solche Umstände den treuen und z.T. minderjährigen Leserinnen nicht erklären.
Es würde die unabhängige Fassade rasant zum Einsturz bringen, nein, nicht rasant, zeigen doch Beispiele, dass Leserinnen von Blogs dieser Kategorie sehr loyal sind - auch der belegbare Verdacht, eine renommierte Bloggerin sei von Beginn an eine Kooperation mit einer Agentur eingegangen, um sich und ihr damaliges Forum 1) bekannt zu machen und 2) anschließend das Forum bestmöglich zu verkaufen, schockte nur manche Leser.
Auch besitzen manche Blogger inzwischen eine PR-eMail-Adresse für geschäftliche Anfragen. Alles objektiv?

Quintessenz:
Das Bloggen über Konsumgüter kostet Geld. Und da scheint es natürlich nett, wenn Unternehmen die Objekte der Begierde zur Verfügung stellen.
Aber wann geht aber die Objektivität flöten? Wann verkauft man sich unter Wert? Wann ist man nur noch Entgegennehmer und Erfüller?
Mein Fazit ist, dass ich mittlerweile manche Blogbeiträge kritisch sehe, da ich entweder dank des "Kostenlos zur Verfügung gestellt"-Hinweis weiß, woher es kommt oder mir aufgrund von anderen Eindrücken ein Bild gemacht habe.
Gern wüsste ich zudem, ob es in anderen Blogger-Metiers ähnliche Symbiosen gibt, z.B. bei Blogs über Technik oder derartige Hobbies.
Und Neid ist es nicht, was mich diese Zeilen tippen lässt. Selbiger wird jegl. Kritikern auch gern unterstellt - es ist eher ein realistischer Blick auf das Geschäft.

P.S.: Nie vergessen - egal, was ein Blogger schreibt, man hat einen eigenen Geschmack!
;)


Kommentare:

  1. Ich muss sagen, das Thema langweilt mich mittlerweile.Sicherlich steckt überall ein Fünkchen Wahrheit aber es sind auch immer dieselben Vorurteile die thematisiert werden aber oftmals in dieser Form nicht stimmen.Im Endeffekt muss eh jeder wissen wieviel Glaubwürdigkeit dir jemand vermittelt oder eben nicht.

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    1. Absolut verständlich, dass es dich langweilt - du bloggst schon lang, hast viel gelesen und mitbekommen.
      Mir lag es auf der Seele, auch wenn mein Post keinerlei Stein ins Rollen bringt.

      Und ich finde es schade, dass sich Mädels u.a. unter Wert verkaufen, weil sie es nicht besser wissen bzw. ihren Wert für ein Unternehmen nicht besser einschätzen können.
      Aber da ändert auch mein Post nichts.

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  2. Aaaahhaaach, du bist ja nur neidisch! (^.^) Vera (intVeen) ist ja auch nicht mehr so aufgebläht, seitdem sie immer Activia isst. Und uns Jogi behält dank Nivea immer eine trockene Achselhöhle, auch wenn er kurz vorm Finale nach Hause fahren muss.
    So.

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