Sonntag, 24. März 2013

DnK!


Mein Gott, was war das nur.
Den einen lernte ich in einer Singlebörse kennen; er kam Tage später mit seinem Hund vorbei, weil man selbigen nicht allein lassen könne, so sagte er.
Er hätte schon eine andere Frau im Internet kennengelernt, meinte er, und sie wäre nicht glücklich, dass er jetzt bei mir sei.
Ich fand ihn uninteressant und nichtssagend und sein Spruch, ob man beim Sex "a tergo" von den auf dem angrenzenden Fussballplatz herumbolzenden Kickern gesehen würden, tat sein Übriges.
Nie wieder gesehen. Gott sei Dank.
Oder all die Wichtigtuer und Beischlafbettler, die alles tun und alles erzählen, um bei einer Busenträgerin zu landen, ich war sie so satt.

Dann sah ich dein Foto. Keck grinsend. Irgendwo im www. .
Ich schrieb dich an und bedauerte, dass ich anscheinend im falschen Bundesland sei - du warst in Baden-Württemberg, ich in NRW.
Wir kamen ins Gespräch, schrieben viel. Du nanntest mich irgendwann "Tine" - es las sich gut, nicht falsch.

Waren es 2, 3 oder 4 Wochen, dass wir uns zum 1.Mal sahen? Ich weiß es nicht mehr, aber ich weiß, dass es der 17. März 2007 war.
Du hast geklingelt, ich ließ dich ins Haus. Meine Wohnung war aufgeräumt, nur ich war noch nicht fertig. Als ich schließlich die Wohnungstür öffnete, sah ich einen großen Mann mit wachen Augen und einer warmen Ausstrahlung. Ich hatte Bier besorgt, das gute Düsseldorfer Alt-Bier. Wir fuhren damit zum Rheinturm und unten vor der Haustür sagte ich, "..drück' mich doch mal!".
Ja, es war eine Aufforderung, ich mochte dich.
Auf dem Weg zu deinem Auto meintest du, "Endlich mal wieder eine große Frau an der Seite..". Ich fühlte mich gut.

Du hast die Nacht bei mir verbracht. Keusch. Es war wunderschön.
Am nächsten Tag sagtest du, dass du schon fast "die drei Worte" sagen könntest. Ich war baff und fand es sehr rasant, daher entgegnete ich "Die drei Worte? Draußen nur Kännchen?!". Wir lachten und seit diesem Tag waren das unsere drei Worte.

Bis zu deinem Tod war das unser Schatz.

Jetzt bist du fort.
Seit 21 Tagen.
Das Bett auf deiner Seite ist und bleibt leer.
Deine Kleidung hängt wie immer im Schrank.
Und die Bolognese, die du gekocht hast, steht seit Januar im Kühlschrank. Ich kann sie nicht wegwerfen.
Keine Stimme mehr, keine Schulter, an die ich mich nach dem Aufstehen immer gelehnt habe. Dein Geruch verschwindet immer mehr aus der Wohnung.

Ich war da, als du gingst.
An deiner Seite, als du diese letzten Atemzüge machtest, von denen man immer spricht und das Leben danach aus deinem Körper floss.
Du sahst aus wie du immer aussiehst, deine Wangen, deine Haut. Aber dein Brustkorb hob sich danach nie wieder.
Ich fühlte deinen Puls, spürte aber nur meinen. Dein Herz verstummte. Für immer.

Du hattest nur vor einer Sache Angst - vor der "Wir können nichts mehr für Sie tun"-Aussage.
Aber du bist ihr entkommen, du musstest sie nicht mehr hören.
Jetzt bist du fort.

Ich danke dir, dass ich da sein konnte. Dass du wenige Tage zuvor das Gefühl hattest, dass dir nicht mehr viel Zeit bleibt und dass ich schon am nächsten Tag wieder in den Zug stieg und zu dir fuhr.
Ich danke dir, dass du so tapfer warst.
Ich danke dir, dass du meintest, dass wir noch viele Nächte nebeneinander einschlafen werden - es hörte sich so vertraut an, so liebevoll, aber wir hatten dennoch keine Chance.
Ich danke dir, dass du mehr als 3 Jahre nach dem 23.12.2009 hier warst, dass du nicht so schnell gehen musstest.
Ich danke dir, dass du es mit mir ausgehalten hast, dass du mich geliebt hast.
Ich danke dir für das Gefühl, dass ich angekommen bin.

Und ich hasse den Gedanken, dass ich nicht mit dir alt werden kann und dass unser Kapitel jetzt schon ein Ende fand.

Du fehlst.
"Ja, daran zweifelte ich nie", würdest du darauf antworten.
Und du bist immer noch hier.
Vielleicht stimmt es, dass du nun auf mich aufpasst?
Bitte sei da.
Sei einfach da.

DnK!
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