Freitag, 18. Mai 2012

"Sie haben Post!"

..das war einmal, damals bei AOL.
Aber gerade, ich muss es so sagen, bin ich ein wenig baff.

Ich erwischte vor wenigen Minuten eine kurze Reportage, nun, es war eher RTL-Infotainment (ja, nicht die beste Quelle für fundierten Journalismus) mit folgendem Inhalt-
Der RTL-Reporter und ein "Mann von der Straße" (Typ Student, Anfang 20, höchstens, schätze ich) gingen ein Experiment ein und gaben für 24 Stunden ihr Smartphone resp. iPhone ab.
Kein Internet.
Keine eMails.
Kein Facebook.

Juut, keine große Sache, könnte man meinen, doch weit gefehlt..
Ich fand es erschreckend zu sehen, dass der Student nahezu Entzugserscheinungen zeigte; er war nervös, wusste auch so gar nichts mit sich anzufangen, daddelte im Restaurant mit den Fingern an einem Bierdeckel, da er nicht wie sonst immer zum Handy greifen konnte.
Das besagte Restaurant wurde auch nicht ergooglet, sondern persönlich erfragt. Für den Weg dorthin musste ein Stadtplan herhalten - ging alles.
Sein Abendessen, eine Pizza, hätte Freund Studi am liebsten gleich gepostet, ging natürlich nicht.

Und er war sichtlich dankbar und erleichtert, als er nach dem Experiment sein iPhone wieder in die Hände schließen konnte - 92 Facebook-Nachrichten hatten sich angesammelt.


Ich bin auch gern online und es ist unbestritten, dass das www. eine große Hilfe, aber auch ein ebenso großer Zeitkiller ist.
Und ja, ich war auch schon mehrere Tage offline und mir ging es nicht schlecht, brauchte keinen Arzt und keine Medikamente.
Aber 92 Nachrichten können so wichtig nicht sein und wenn wir ehrlich sind, waren sie das auch nie.
Die "Huhu, schau' mal was ich gerade mache/esse/trinke/kaufe, wo ich gerade bin/sitze/stehe/pinkel' und wen ich gerade traf/nerve/poppe..."-Nachrichten sollten doch alles sein, aber keine Lebensrhythmusumwerfer.

Deswegen nutze ich Facebook nicht.
Und weil ich nicht immer für jeden erreichbar und sichtbar sein will.
Damals, als ich klein war, hatten wir nur ein Festnetztelefon. Mit Wählscheibe.
Rief jemand an und es war niemand Zuhause, ging niemand ans Telefon. Man war halt nicht da.
Heute gibt es Festnetz, Handy, SMS, eMail und Social Media und damit geht die immerwährende Erreichbarkeit einher - "nicht da sein" gibt es fast nicht mehr.

Und außerdem bin ich auch nicht derart wichtig, dass ich zu jeder Zeit über mein Befinden berichten müsste.
Ist ja schon schlimm genug, dass ich ein Blog schreibe.

(Spontane Gedanken ohne Anspruch auf Richtigkeit)


Kommentare:

  1. Ein wahres Posting! Sehr gut geschrieben.

    Herzliche Grüße.

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    1. ..ich freue mich immmer, wenn mein Geblubber Liebhaber findet. ;)
      Und ich gehe mal davon aus, dass du -ebenso wie ich- keine Facebook-Aktien dein Eigen nennst?
      Danke für's Lesen und Grüße zurück ins Schloss resp. Bad!

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  2. Diese Internetabhängigkeit ist schon gruselig. Ich habe einen jüngeren Kollegen, zwanzigirgendwas, und er hat auf seinem Schreibtsch: ein IPhone, ein Blackberry, ein Blackberry PB (so ein Tablet halt) und dauernd brummt oder piept eines dieser Geräte.
    Es gab mal bei Scrubs eine treffende Szene:
    Molly: "Sollen wir heute Abend was zusammen machen, damit du nicht so alleine bist nach deiner Trennung?"
    Eliot: "Nein, keine Zeit, ich muss im Internet neue Freunde kennenlernen"
    Touché!
    Ganz schlimm empfinde ich übrigens diese Werbung für Handies: "Wir halten keine Termine ein, wir simsen dass es später wird". Toll. Ich bin so ein Spießer, dass ich Pünktlichkeit bei Verabredungen immer noch schätze!
    Es zwingt einen ja keiner, immer da und erreichbar zu sein, außer man selber. Irgendwann gewöhnen sich die Leute auch dran, dass man Mails nicht in einem 10-Minuten-Zeitfenster beantwortet und eben auch manchmal die Mailbox drangeht. Finden die "schrullig". Ich finde es luxuriös.
    Liebe Grüße
    Mono

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