Freitag, 15. Juli 2011

"Schau' mal, Hans-Georg, überall diese fetten Menschen!"

Sie war fassungslos auf ihren Sitz gepresst. Hier findet sie es ekelhaft, befand sie.
"..und da, schon wieder dieses fette Schwein. Geht schon zum dritten Mal zum Buffet.", sagte sie, während sie ihren kleinen, schmalen Teller mit gebratener Ente kalt werden ließ.
"Dieses Restaurant ist ja ganz nett, aber das Publikum!", äußerte sie sich in Hans-Georgs Richtung.
"..wie kann man nur SOVIEL fressen? Der Teller läuft ja üüüüüüüüüüber. Das kriegt dieser fettleibige Mensch ja nicht mal ordentlich zum Tisch. Und das ist schon MINDESTENS der dritte Teller!", attestierte sie.
"Aha. Der Fettwanst fiel mir eben auch schon auf,....ja, befüll' ruhig deinen Trog mit gebratenen Nudeln, morgen gibt's ja nichts mehr. E-k-e-l-h-a-f-t!"
Hans-Georg atmete ein. "Ja, du hast recht, Schatz", summte er und wollte sie milde stimmen, "das ist hier alles so ekelerregend."
"Dass sich diese Dicken, nein, diese Fetten den Teller immer so vollmachen. Hauptsache, kein Platz mehr und nicht mehr als nötig bewegen. Und dass sie sich nicht schämen! Da, Hans-Georg, da, diese Dicke in diesem unfassbar häßlichen ... was ist das eigentlich? ... ein Kleidersack? ... das Fett quillt doch schon über die Hose. Mein Gott, ich kann das nicht ertragen!", zischte sie zwischen ihren Lippen hervor.
Die "normalgewichtige" Frau, die auch bereits mehrfach an ihnen vorbei zum Buffet stapfte, fiel ihnen nicht auf.

"Stimmt, Schatz", sprach Hans-Georg und nestelte an seinem dritten Auge auf der Stirn.
"...zum Glück sehen wir nicht so aus.", schnurrte er und streichelte ihren oberhalb des Anus wachsenden Körperfortsatz.

~~~


Dieser Eintrag auf Qype inspirierte mich zu der obigen fiktiven Geschichte:

[Quelle: http://www.qype.com/]


Die Teller der anderen, die Leibesfülle ebenso, ach, wie großartig kann man sich darüber mokieren und dabei vergessen, dass man selbst (und sei es innerlich) nicht schön ist.

EDIT:
Warum ich es schrieb, wie ich es schrieb-
Die Art und Weise über andere, d.h. dicke Menschen zu denken und über sie in einer Restaurant-Kritik zu schreiben, machte mich wütend.
Es ist im Grunde vollkommen irrelevant, wie oft ein anderer Gast seinen Teller befüllt.
Es ist ebenso irrelevant, welche Statur er hat, wie er gekleidet ist.
Es ist egal, wie ich das finde oder darüber denke.
Es ist nicht mein Teller, nicht mein Bauch, nicht meine Kleidung.
ICH muss weder den Tellerinhalt essen noch die Kleidung tragen!

1 Kommentar:

  1. Kurz und knapp: ich teile deine Ansicht zu dieser Thematik voll und ganz!

    LG Petra

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